Die Uhr stand schon lange nicht mehr auf Fünf vor Zwölf, Mitternacht ist schon länger überschritten. Ist das ein Grund, gleich die Uhr kaputt zu machen?
Was macht man eigentlich als Trainer auf einer Pressekonferenz, wenn man die Gewissheit hat dass die eigene Mannschaft einfach unglaublich Scheisse gespielt hat, dies aber so nicht sagen darf? Ich weiß es nicht, aber der Fellner hat es gestern ganz gut über die Bühne gebracht; dass er am liebsten wortlos verschwunden wäre, war ihm gleichwohl anzumerken.
Harli war nicht da; krankheitsbedingt darniedergestreckt, ebenso wie Robert Dühring. Sajmen Hauer fällt bekanntermaßen die gesamte restliche Saison aus. Mithin fehlten also der Headcoach und zwei Fünftel der Starting Five. Die anderen waren da. Irgendwie…
Schon beim rituellen Einlaufen in die Halle hatte ich das Gefühl, als gehe da heute nicht viel. Die Körpersprache der Mannschaft sagte nicht Jetzt erst recht oder gar Wir packen das noch. Keine breiten Schultern und Brustkörbe, nichtmal hängende Schultern. Vielmehr an die Konsistenz eines Kaugummis erinnernd, joggten die Spieler sowohl vor als auch während der Partie über den Platz. Jung wie alt.
Rick Stafford war Bemühen anzusehen. Und Ärger, vornehmlich über sich selbst. Zurecht, wie ich anmerken darf. Michael Laker war da, glaube ich. Wenigstens steht er auf dem Scouting, also muss er da gewesen sein. Kevin Hanson war zumindest zu Beginn des Spieles engagiert, aber schon nach dem dritten Wurfversuch war klar, dass er heute vom Tretboot aus das Wasser nicht treffen würde.
Zwei kleine Lichtblicke waren Dominik Schneider und Stefan Schmidt. Letzterer spielte in der ersten Hälfte des öfteren Schmidteinander mit dem Gegner, was bei ihm immer ein wenig putzig aussieht: im trügerischen Bewusstsein, ein 2,07m großen Jungspund sei eh keine Gefahr von jenseits der Dreierlinie, lässt ihn der Gegner dortselbst oft mal alleine rumstehen. Dann klingelt’s. Den Fehler machte Lich zwar nur zwei mal, wurde aber prompt beide male dafür bestraft. Mit diesem Wenn ich nicht weiß wohin mit dem Ball, schmeiß ich ihn eben rein Gesichtsausdruck sorgte er für zwei der lediglich drei erfolgreichen Distanzwürfe des Abends (der dritte war Juan Reile im letzten Viertel). Unterm Strich 14 Punkte, acht Rebounds für Stefan. Ordentlich.
Dominik Schneider sorgte unter den Körben für den Einsatz, den ich bei Hanson so vermisse. Desweiteren für 17 Punkte und ebenfalls acht Rebounds. Ja, Schneider und Schmidt konnten ansatzweise gefallen.
Der Gegner aus Lich? Der hatte in Brandon Jenkins (31 Punkte, sieben Assists) den überragenden Mann auf dem Feld, in Johannes Lischka einen 20jähriges Beweis, dass Nachwuchsförderung Sinn macht und in Gary Hamilton den Spieler, der nur um einen mickrigen Punkt das Triple Double verpasste: neun Punkte, elf Rebounds, zehn Ballverluste! Ansonsten hatten die Hessen an diesem Abend nicht mal Chance zu beweisen, dass sie ein potentieller Abstiegskandidat sein könnten. Dazu hätte es notwendigerweise eines Gegners bedurft…
Offiziell 300 Zuschauer haben sich das gestern Abend angetan. Mehr werden es wohl auch nicht mehr, wenn nicht der Gegner Zuschauer mitbringt.
In zwei Wochen kommt Schalke, am 6. und 12. April Bremen und Hagen. Dann hat es ein Ende. Das Ziel Nachwuchsförderung, also: die jungen Spieler zu besseren Spielern zu machen, hat zweifellos funktioniert. Allesamt haben sie im Vergleich zu Saisonstart zugelegt und von der Stärke der Liga profitiert. Warum man ihnen die Chance genommen hat, auch nächstes Jahr in dieser Liga stärker zu werden, bleibt mir indes ein Rätsel. In der zweiten Liga besser werden um das Jahr danach die dritte Liga zu rocken? Macht das Sinn? Wird die Uhr neu gestellt? Von zehn nach Zwölf auf zehn vor Zwölf? Auf Halb Fünf? Oder gar nicht, weil es eh keinen mehr interessiert wie die Uhren beim kleinen Anhängsel des Deutschen Meisters laufen?
Eine Sonnenuhr wäre eine tolle Idee. Da spielt es keine Rolle, wenn für Falke das Licht ausgeht.







